+++ 22.9.2003 Premiere - Das Magazin wird in diesem Jahr erstmals auf der Frankfurter Buchmesse vertreten sein. Sie finden uns vom 8. bis 13. Oktober in Halle 4.1, Stand G 112. Ðber die aktuellesten Gespr”che, Ger¸chte und Gesch”ftsabschl¸sse berichten wir aus Frankfurt dann nat¸rlich t”glich!!! +++  
    +++ 15.9.2003 Die zweite Auflage des Magazin-Klassikers "War das jetzt schon Sex?" marschiert in den Charts munter nach vorn. F¸r 9,90 Euro gibt es die gesammelten Stefan-Schwarz-Kolumnen in unserem Lesershop. Auch online ... +++  
    +++ 14.9.2003 Gerade hat der langj”hrige "Magazin"-Chefredakteur Manfred Gebhardt im Schloþmuseum Glauchau aus seinen Erinnerungen an die Zeitschrift gelesen und "Die Nackte unterm Ladentisch" pr”sentiert.- Die passende Ausstellung "Wochenend' und Sonnenschein - Zeitreise mit einer Freizeitillustrierten" l”dt weiterhin ein. Museum und Kunstsammlung Schloþ Hinterglauchau, Telefon: 03763 / 2931 +++  
  TEXTE VON LESERN - Irrtum
 

Kurzgeschichte
Irrtum

Von Ludwig Schumann

 
Kein Zweifel. Er ist es. Der SEK-Beamte liest den Namen auf dem Türschild leise und deutlich auf dem Nachtsichtgerät ab. Er gibt das vereinbarte Zeichen. Der Kommandeur versichert sich noch einmal, dass alle die vereinbarte Position eingenommen haben. Zwei angeforderte Schützenpanzerwagen halten in angemessenem Abstand an jedem der beiden Ausgänge. Suchhunde reiben sich, gefährlich knurrend, aufs äußerste angespannt an den Wänden in den Hundeanhängern der Bereitschaftspolizisten, die die Platte im zweiten Ring umstellten. Die Aktion nimmt ihren Verlauf.
Reimer öffnet mit einer gezielten Explosion die Tür der Neubauwohnung. Acht vermummte SEK-Beamte stürmen die Stube. Im Fernseher läuft die Sendung Strike against terror. Die Prinzessin schaut etwas ungläubig auf die Szenerie. Jungs, sagt sie, ehe sie zu Boden geht, ihr seht einfach geil aus.
Reimer liegt über ihr. Drei SEK-Beamte stehen mit in Anschlag gehaltener Maschinenpistole feuerbereit um die hingequetschte Prinzessin. Mann, denkt sie Eigentlich kann sie nicht mehr denken, weil Reimer immer noch gnadenlos auf ihr liegt, der Kerl hat einen Ständer wie einen Christbaum.
Reimer, dem angesichts der Formen, in die er sich von der Schwerkraft hineingepresst fühlt, ist das Denken gleichfalls abhanden gekommen. Er versagt, denn er hat keinen Gedanken mehr an das, was jetzt zu geschehen hat: Die Fesselung. Reimer liegt nicht nur auf ihr. Er hoppert auch. Er ahmt instinktiv die Bewegung eines Presslufthammers nach, um mit seinem Christbaumständer zwischen ihre Schenkel zu gelangen. Als sie es endlich begreift, weshalb er sich so abarbeitet, flutscht er geradezu zwischen ihre Schenkel. Schade, die Prinzessin ist enttäuscht. Denn was sie da spürt, ist seine Feuchtigkeit, nicht ihre. Jetzt schon, sagt sie vorwurfsvoll. Um auch das klar zu sagen. Reimer krümmt sich, bäumt sich auf und zieht Luft durch die Zähne. Bondage, flüstert sie. Sie muss Reimers Einsatz toppen. Das ist sie sich schuldig. Was? Reimer schnallt die Bondage nicht. Er liegt bewegungslos auf der Prinzessin. Fesseln. Du mußt mich jetzt fesseln, du Vollidiot, zischt sie unter Reimers Gewicht. Die drei Kerle um sie nicken heftig, während die andere Hälfte der Crew die Wohnung auseinandernimmt.
A..n..t...r..a..g...s... liest der Kerl, der die Schublade der Schrankwand in seinen klobigen Pfoten hält. Der Rest der Crew springt vor Entsetzen zurück, Reimer auf. Scheiße ruft er, es brennt. Es milzbrennt hier in der Bude. Raus!. Reimer stürzt zur Tür. Die drei mit der Maschinenpistole im Anschlag sichern den Rückzug. Dass zum geordneten Rückzug auch das Türenschließen gehört, scheint im Programm nicht vorgesehen zu sein. Die Prinzessin erhebt sich aus ihrer stabilen angeseitlichten Rückenlage, rückt ihren Morgenmantel zurecht. Schade, sagt sie bedauernd. Der Junge hätte etwas bewegen. Schade. Ja. Aber was hat dieser Esel da eigentlich in der Schublade gefunden? Was hat die Jungs zum Rückzug und Reimer zum Rauszug getrieben? Sie hebt die Schublade vom Boden auf. Sieht das Schreiben ihres Rechtsanwalts: ...möchte ich Ihnen auf der Grundlage ihres Antrags mitteilen... Oh Gott, meint die Prinzessin, ich dachte immer, das sei nur in Kalau möglich. Oder wie dieses Nest der kleinwüchsigen Witze heißt. Nicht zu glauben, das. Und dann behaupten die immer noch, es wären die Weiber, die hysterisch reagierten. Sie begibt sich kopfschüttelnd ins Bad.
Der Frosch sitzt auf dem Schwamm und segelt in der Wanne. Sind die Himmel auf die Erde gestürzt oder was hatte der Lärm ansonsten zu bedeuten?, fragt er. Die Prinzessin zuckt mit den Schultern. Nichtsdergleichen, sagt sie. Nur die Jungs vom SEK waren da. Oh, sagt der Frosch, hier, bei uns in der Wohnung? Was wollten die denn? Ich weiß es nicht, antwortet die Prinzessin. Aber es ging hart her, ihre Stimme kriegt diesen schmelzenden Ton, der selbst einen Frosch misstrauisch werden wird. Die stehen ihren Mann, nicht? setzt er die Befragung mit einem lauernden Unterton fort. Jaja, aber dann schwelgt der Frosch in Erinnerunge: Ich kann mich noch erinnern, da habe ich ähnliche harte Jungs unter Wasser ausgebildet. Da bin ich sogar in die Militärgeschichte eingegangen, weil sie die Männer nach mir benannt haben. Stolz stellt er sich neben dem Mast auf auf seinem schwimmenden Schwamm. Der Prinzessin fällt dabei schon wieder Reimers Mast ein. Hast du irgendetwas angestellt, was du mir eventuell vergessen hast mitzuteilen?, fragt sie plötzlich und unvermutet den Frosch und verliert dabei jeglichen träumerischen Ausdruck im Gesicht. Der Frosch erinnert nichts dergleichen.
Doch dann scheint es ihm zu dämmern. Naja, sagt er, zögernd. Ich habe schon, also... er sucht nach einer unverfänglichen Formulierung. Weißt du, beginnt er nochmal von vorn: Als du mir das Wasser in die Wanne laufen ließest, dachte ich ohnehin daran, mich auf eine kleine Segelpartie zu begeben. Also, dachte ich, falls dein Freund, der Kater, wieder um die Tür schleichen sollte, könnte ich ihm doch eine Nachricht hinterlassen, dass er die nächste Stunde, wollte er sie mit dir verbringen, keine Angst zu haben brauchte, ich könnte ihm in die Quere kommen. Wie großzügig, lacht die Prinzessin. Und wie hast du diesen merkwürdigen Anfall von unerwarteter Großzügigkeit bekannt gemacht?
Der Frosch schaute betreten seine Schenkel hinunter. Ich habe die Nachricht über das Namensschild geklebt. Ach du guter Gott, sagt die Prinzessin, kannst du mir nun auch noch den Wortlaut der Nachricht benennen oder muss ich dir heute jeden Wurm einzeln aus der Nase ziehen? Die Prinzessin ist ungeduldig. Würmer zieht man nicht aus der Nase. Würmer schluckt man. Alles andere wäre eine Vergeudung wichtiger Eiweißressourcen. Bin baden, stand auf dem Zettel, meint der Frosch. Wie hätte die Nachricht denn sonst lauten sollen? Sie kamen nicht mehr dazu, sich über ihre Verdächte auszutauschen.
Im selben Moment zündet der kontrollierte Sprengsatz unter der Badezimmertür und die SEK-Beamten stürmen das Badezimmer, diesmal ganz und gar in weiße Schutzanzüge gehüllt. Die Prinzessin bricht freiwillig zu Boden. Den Ständer, der sich an ihr reibt, kennt sie. Reimers Hartmann schickt sich an, sie zu erstechen.. Die drei mit der Maschinenpistole im Anschlag stehen nahezu unbeweglich über den beiden. Eine Erzengelparade, denkt die Prinzessin. Da sieht sie, wie sich parallel zur Schusswaffe Versteifungen entwickeln, derweil der Schwamm in der Badewanne froschlos vor sich hin dümpelt.


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