"Ich male, weil ich kein Lied habe", heißt die Ausstellung mit Werken des Malers Dieter Ladewig, die gleichzeitig ein Novum in der Kreisstadt darstellt. Die abstrakten Ölbilder des bis Anfang der 90er Jahre in Schönebeck lebenden Malers hängen an drei verschiedenen Orten: im Lindenbad, dem Tagungszentum des Solepark und in der Reha-Klinik.

Von Thomas Linßner

Bad Salzelmen. "Die Leute haben mich immer mal wieder gefragt: Was macht eigentlich Dieter Ladewig?", beschreibt Dorothea von Pock, Kultur-Koordinatorin des Landratsamtes, ihre Initiative, den geborenen Harzer in die alte Wahlheimat Schönebeck zu holen.
Dass die expressiven Arbeiten bis Mitte Januar 2004 gleich an drei Stellen ausgestellt sind, ist ein Beweis für die große Schaffenskraft des 50-Jährigen. Der hinterließ bereits in den 80er Jahren seine künstlerischen Spuren in der Kreisstadt. Noch heute sind sie im Landratsamt, Soziokulturellen Zentrum "Treff" oder dem Rathaus zu finden.
Als ihm der damalige Rat der Stadt den Auftrag für eine Arbeit im realistischen Stile ?Helden der Arbeit oder Traktoren“ gab, reagierte Ladewig mit hellsichtigem Mut: ?Wäre es nicht besser, wenn ich etwas mache, dass hier ein bisschen länger hängen bleibt?!“
Der Auftraggeber bewies trotz dieses blasphemischen Vorschlags Toleranz. Im Treppenaufgang des Rathauses hängt noch heute eine Holzcollage, auf der die schemenhaften Umrisse verschiedener Schönebecker Gebäude zu sehen sind. (Der martialische Werktätige im Führerhaus des Mähheckslers hätte mit Sicherheit heute seinen Platz in irgendeinem Depot oder im Schrank eines DDR-Nostalgikers.) Daran erinnerte auch Ladewigs Freund und Vorsitzender des Kunstvereins ?Vierung“, Ludwig Schumann, in seiner beeindruckenden Laudatio: ?Die jungen Künstler zogen aus, die Bilder des sozialistischen Realismus, die Götzenbilder, zu zerstören. Mit wilden Pinselschlägen zwangen sie die Farbe künftig abstrakt auf das Papier. Sie stellten die Kraft ihrer Farben gegen den Zwang zur Abbilderei.“
Fragt man Dieter Ladewig nach seiner Inspiration, antwortet er knapp und spontan: ?Das Leben.“ Im Text des Ausstellungs-Flyers brachte Christa Hupperts den sensiblen und verschlossenen Künstler seinem Publikum sehr nahe: ?Er beschreibt dieses Lebensgefühl auf seine Art. Seine Antennen sind ganz empfindlich und spüren feine Schwingungen auf.“ Diese setzt er dann auf die Leinwand um, die ?kein Buch mit sieben Siegeln, sondern vielmehr ein Fenster zwischen ihm und der Welt ist“. Nocheinmal Ludwig Schumann: ?Auch Ladewig weiß sehr genau, dass Bilder das Medium des Geistes sind. Und da sein Geist unterwegs ist, zumeist unbehaust, rege, lotet er aus, was an seinem Wege liegt.“
Beeindruckendes Video
Hervorzuheben sei an dieser Stelle auch das hervorragende Video-Porträt des ?Treff“. Mit viel Fingerspitzengefühl und filmischen Mitteln gelang es, den Maler so zu beschreiben, dass ?Insider“ ebenso wie ?Laien“ beeindruckt waren.
Als Landrat Erik Hunker in seiner Begrüßung davon sprach, dass eine erfolgreiche künstlerische Arbeit nicht nur von Inspiration, sondern auch von materieller Basis lebt, klang das ein bisschen nach Bild-Ankauf. Doch wer die klammen Kassen der öffentlichen Hände kennt, wusste zurecht um eine Fatamorgana.
So bleibt zu hoffen, dass sich für die Arbeiten von Dieter Ladewig, der von seiner Arbeit lebt, kunstsinnige und kauffreudige Interessenten finden werden.