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Modell

Turm im Bau - 28.4.1927

Turm im Bau - 14.5.1927

Der Baugrund besteht aus Schwemmland mit arthesischen Quellwässern. Ursprünglich soll der Baugrund nach entsprechenden Untersuchungen wie der der Stadthalle auf einer in 8 m Tiefe gelegenen Lehmschicht zu finden sein. Hierauf hätten dann Eisenbetonkasematten gelegt werden können, welche die Fundamente aufnehmen sollten. Die Voruntersuchungen ergaben jedoch ein falsches Bild. Die Baugrube steht, wenn sie abends leergepumpt ist, am Morgen bereits wieder unter Wasser. Um den Turm auf solch ungünstigem Baugrund gründen zu können, muss ein Pfahlrost vorgesehen werden. Dazu werden 89 neun Meter lange Betonpfähle (nach Albinmüller "Aus meinem Leben" sind es achtundneunzig) in die Erde gerammt. Auf diesen Pfählen schließlich liegt eine 2 m starke, eisenbewehrte Betonplatte. Diese und der Pfahlrost nehmen die Last des Turmes auf, die immerhin 3000 Tonnen beträgt. Dieses unerwartete Bauhindernis hat zur Folge, dass der Turm erst am 5. Juli 1927 der Öffentlichkeit übergeben werden kann.

Albinmüller

Göderitz

Albinmüller ist das Pseudonym des Albin Camillo Müller, geboren am 13.12.1871 im erzgebirgischen Dittersbach, 1943 verstorben in Darmstadt. Er studiert an der Kunstgewerbeschule Mainz und Dresden; als Architekt ist er Autodidakt.
Magdeburgs Stadtbaurat ist um 1900 eher skeptisch, Albinmüller in ein Lehramt an der Magdeburger Kunstgewerbe- und Handwerkerschule zu berufen. Man hält hier nicht viel von solchen Neuerern wie van de Velde, Olbrich, Behrens. Dass er ein fundiertes Wissen über die bewährten Stile mitbringt, qualifiziert ihn denn doch für das Lehramt. Im Mai 1900 kann Albinmüller seine Lehrtätigkeit aufnehmen - und er nutzt sie entschieden, einen neuen Geist in die Lehranstalt zu bringen. Mit seinem Namen sind die großen Erfolge der Magdeburger Schule 1904 zur Weltausstellung in Saint Louis verbunden. Hier erregten seine für das Stolbergsche Hüttenamt in Ilsenburg/Harz entwickelten Briefbeschwerer, Leuchter und Tischuhren in Gusseisen sowie das moderne Herrenarbeitszimmer für das Kaiser-Friedrich-Museum großes Aufsehen. Albinmüller erhält einen Grand Prix der Weltausstellung. Mehrere Goldmedaillen für die beteiligten Künstler und Handwerker werden ausgereicht. Der neue Ruf Magdeburgs als Zentrum moderner Gewerbekunst ist begründet. Nur, leider, reicht er nicht über die Zeit des ersten Weltkrieges hinaus. Was übrigens nicht zurückkommt, sind die Exponate. Sie werden nach New York verkauft. Bis 1906 lehrt Albinmüller an der Magdeburger Schule. 1906 wird er als Professor an die Technische Hochschule Darmstadt berufen. Gleichzeitig wird er eines der ersten Mitglieder der Darmstädter Künstlerkolonie. Hier trifft er auf den Bildhauer Bernhard Hoetger, mit dem er u.a. am Darmstädter Löwentor arbeitet.
Die Reformideale der Jugendstil-Protagonisten fallen dem Ersten Weltkrieg zum Opfer, die meisten Werke Albinmüllers, die das neue, reformerische Raumgefühl aufzeigen, dem Zweiten Weltkrieg. Kaum einer seiner Entwürfe hat sich in der Gesamtheit erhalten. Einzig das Sanatorium Dr. Barner in Braunlage.
Von Albinmüller stammen die Entwürfe für die Einfamilien- und Reihenhäuser in Darmstadt-Mathildenhöhe (1913), das Magdeburger Krematorium (1919), das Boelcke-Denkmal in Dessau (1921), das Theater in Dessau (1923), die Deutsche Vereinsbank in Darmstadt, das Löwentor in Darmstadt (gemeinsam mit Bernhard Hoetger). Zukunftsweisend sind Albinmüllers Entwürfe für zerlegbare, transportable Holzhäuser, für die er jedes Detail, auch die Inneneinrichtung, entwirft.
Eine Sternstunde in Schaffen Albinmüllers ist seine Arbeit für das Ausstellungsgelände im Magdeburger Rotehornpark samt Ausstellungsturm (1927). Er macht mit dieser Arbeit Magdeburg zur "Mustermetropolis des Ausstellungswesens", wie internationale Zeitungen damals lobend schrieben. Leider ist das Ausstellungsgelände 1945 durch amerikanischen Artilleriebeschuss weitestgehend zerstört worden. Um so wichtiger ist die Restaurierung der vom damaligen Ausstellungsgelände einzig noch erhaltenen Bauten, der von Johannes Göderitz geplanten Stadthalle und der beiden Zeugnisse Albinmüllerscher Baukunst, des Ausstellungsturmes und des Pferdetores.
Albinmüller. Aus meinem Leben. Maschinenschrift. Darmstadt o.J.
Albinmüller. Die architektonische Gestaltung der Ausstellung. In: Volksstimme. 10.07.1927
Bauten der deutschen Theater-Ausstellung. In: Deutsche Kunst und Dekoration (DkuD). 1927
Feldhaus, Erich. Neuere Arbeiten von Prof. Albinmüller. Berlin 1928.
Gerlach, Hans-Karl. Die mitteldeutsche Ausstellungsgesellschaft mbH von der "MIAMA" 1922 bis zur Deutschen Theaterausstellung 1927. Maschinenschrift. Magdeburg. 1990
Gräfe, Babette. Historischer Abriss zum denkmalpflegerischen Konzept Aussichtsturm - Rotehorn Park Magdeburg. Magdeburg 1999 (Kossel, Simon und Partner GbR)
Gräfe, Babette. Im Aussichtsturm befand sich einst die seltsamste Gaststätte der Welt. Volksstimme 22.04.2000
Gräfe, Babette. Er holte Natur in die Räume. Volksstimme 24.03. 2001
Krusche, Friedemann. Um das Welttheater wohl verdient gemacht...Volksstimme 21.09.1998
Kürschners deutscher Gelehrtenkalender Jg.4. 1931
Vollmer, Hans. Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des 20. Jahrhunderts Bd.1. 1953
Wedemeyer, Alfred. Die Deutsche Theater-Ausstellung in Magdeburg. In: Deutsche Bauzeitung. August 1927
Wille, Manfred. Magdeburgs Aufbruch in die Moderne. Landeshauptstadt Magdeburg. 1995.

Fotografien
Archiv Stadthallen Magdeburg, Stadtarchiv Magdeburg

Ludwig Schumann / Simone Rauhut
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